Inspiration - ein Zitat von Carlo Scarpa:
"...è stata una fortuna trovare il volume intitolato Vers une architecture di Le Corbusier al termine della scuola: rappresentò un'apertura dell'anima; da allora le condizioni spirituali mutarono totalmente. Questo per ricordare le tappe di una piccola vita che non pretende di essere quella di un maestro, anche perché penso che i maestri, in questo momento, sono tutti morti. Maestro, infatti, è colui che esprime delle cose nuove che altri possono capire. E i grandi architetti moderni non ci sono più. L'ultimo, Louis Kahn, se ne è andato in modo non bello - sono perdite insostituibili. «L'architettura può essere poesia?». Certo. Lo ha proclamato Frank Lloyd Wright in una conferenza a Londra. Ma non sempre: solo qualche volta l'architettura è poesia. La società non sempre chiede poesia. Non bisogna pensare: «farò un'architettura poetica». La poesia nasce dalle cose in sé... La domanda dovrebbe essere questa: «Quando è poesia una base attica e quando non lo è?»."
"...it was fortunate to find the volume entitled Vers une architecture by Le Corbusier at the end of the school: it represented an opening of the soul; since then the spiritual conditions totally changed. This is just to remember the stages of a small life that does not pretend to be that of a teacher, also because I think that the masters, in this moment, are all dead. In fact, Master is the one who expresses new things that others can understand.
And the great modern architects don't exist anymore. The last one, Louis Kahn, has gone out in an unfortunate way - these are irreplaceable losses. «Con architecture be poetry?». Sure. Frank Lloyd Wright has proclaimed it at a conference in London. But not always: only sometimes is architecture poetry. Society does not always ask for poetry. One must not think: «I will do a poetic architecture». Poetry is born of things in themselves... The question should be: «When is an Attic base poetry and when is it not?»."
Carlo Scarpa
Testo tratto da una conferenza tenuta all'Accademia di Belle Arti di Vienna nel 1976
Transcription of the conference at the Academy of Fine Arts in Vienna in 1976
Alles ist Umbau! weiterdenken des Bestandes
Wie gehen wir heute mit dem Bestand um?
Ein weiterer Aspekt ist, wie die bestehende Substanz interpretiert und verbessert werden kann». Eine Grundfrage, die ich von Anfang ansehr wichtig finde,ist: Was isterhaltenswert an dem Bestand? Mit Bestand ist nicht nur ein Bestehendes Gebäude, ein historischer Altbau oder eine Ruine gemeint, sondern auch ein Park, die Gärten und das Wasser, im grösseren Kontext aber auch der Bezug zur Stadt. Wichtig ist dabei auch die Geschichte des Bestandes und der vor Ort gefunden Umgebung und Siedlungsstruktur. Ich denke, ein grundlegender Gedanke muss sein, was für eine Haltung ich gegenüber dem Bestand einnehme. Dieser muss von Anfang an sehr präzise sein.
Hermann Czech sagte: “Alles ist Umbau.“
In seinem Text sieht er vom Städtebau bis ins Detail ein weiterbauen. Sozusagen, wenn ich den Text mit meinen Worten interpretiere: Es gibt eigentlich keineNeuen Bauten,sondern wir befinden uns in einem Ständigen weiterbauen.
Hermann Czech Zitat aus Werk Bauen und Wohnen:
Hermann Czech wertet Umbau weit über die herkömmliche Aufgabe der Instandstellung hinaus als eine gleichermassen architekturtheoretische und praxisrelevante Heraus-forderung. Czechs umfassendes Verständnis des architektonischen Entwurfs als ein zutiefst kontextuelles Problem zeichnet sich in der Hintergründigkeit seiner Bauten und Projekte deutlich ab - auch dort, wo er es mit scheinbar «gewöhnlichem» Material zu tun hat. Bei Josep Llinas’ Restaurierung von Josep Maria Jujols Theater in Tarragona geht es im Gegensatz dazu darum, sich in eine hochentwickelte Architektursprache einzudenken und die darin angelegten räumlichen, konstruktiven und formalen Lösungen auf die heutigen Bedürfnisse umzuschreiben. Ein Umbau ist interessanter als ein Neubau - weil im Grunde alles Umbau ist (1973).
Die alte Grossstadt ist ein Werk verschiedener Massstäbe. Zunächst ist sie das Netz der Verkehrs Erschliessung, durch die die Bebauung (zum Beispiel in Baublöcken) strukturiert wird. Sodann ist sie eine Addition von Baustrukturen (zum Beispiel Häusern). Technisch und rechtlich davon unterschieden besteht meist ein dritter baulicher Massstab: der der individuellen Nutzung, also der des Geschäfts, des Cafes, der Wohnung , der Werkstatt. Jeder dieser Massstäbe ist die Ausformung, Spezifizierung des nächstgrösseren. Ordnung entsteht durch die Entscheidungen in den
grösseren, Vielfalt durch die Entscheidungen in den kleineren Massstäben. Zu den verschiedenen Massstäben gehören verschiedene Zeithorizonte. Die Entscheidungen in den jeweils grösseren Massstäben sind längerfristig als die in den kleineren. Nicht nur die Stadtentwicklung, sondern das städtische Leben selbst ist also nicht ohne den Umbau möglich. Wenn nun die kleinmassstäblichen Entscheidungen verlorengehen, etwa weil es nur mehr grosse Wohnbauträger oder grosse Kaufhäuser gibt, dann ist es müssig, sie auf architektonischem Wege simulieren zu wollen.
Vielfalt bedeutet vor allem Disharmonie. Die Regelhaftigkeit der Stadt erlaubt das Umprägen, Umdeuten einer Bebauungsstruktur durch eine andere - Häuser stehen dann aus verschiedenen Perioden, an verschiedenen Baulinien, mit verschiedenen Standards nebeneinander; in einer Überblen - . dung zeigen sie die Erinnerung der vergangenen und die Vision der zukünftigen Stadt (1990).
Der Umbau ist ein architekturtheoretisch wichtiges Thema; vielleicht das zentrale überhaupt - weil im Grunde alles Umbau ist. Dabei stellt sich die Frage der Annäherung an das Vorhandene. Wird dem Vorhandenen ein Neues, Anderes entgegengesetzt, oder handelt es sich um eine Fortsetzung des Vorhandenen mit anderen (oder gar gleichen) Mitteln? Es scheint, dass der Umbau beides enthalten muss, und dass die Fortsetzung des Vorhandenen in der Bildung einer neuen Einheit auf höherer Ebene besteht. In jedem Umbau gibt es Erfordernisse, die es nahelegen, gegen den Bestand zu operieren, ihn zu konterkarieren - gleichwohl oder gerade dann können der Bestand oder seine wesentlichen Gedanken spürbar bleiben. Anderseits mag es oft naheliegen, Eingriffe unmerklich in den Bestand einzubetten, die Unterschiede und Chronologien zu verschleiern. Auch in dieser Verhüllung kann der Bestand deutlich hervortreten.
Am sichersten wird die Authentizität des Bestandes dann vernichtet, wenn er durch oberflächliche Mittel vervollständigend simuliert wird - wenn also, sagen wir, in ein Biedermeierhaus Biedermeier Appartements eingebaut werden. Aber sind nicht go tische Kirchen in der Neugotik regotisiert worden und inzwischen wieder zu Ehren gekommen? Neuverwendung und Umbau sind eine Umdeutung des Bestandes und machen uns daher aufgeschlossen für Mehrdeutigkeit und Mehrfachsinn. Raum und Bauwerk entstehen aus vielfachen und oft widersprüchlichen Gedankengängen; deren wahr nehmbares Netzwerk bildet die ästhetische «In formationsdichte ». Die historische Mehrschichtigkeit ist das Muster für andere: die räumliche Mehrdeutigkeit etwa, die Überlagerung verschiedener zusammentreffender Raumgedanken; oder die Mehrdeutigkeit von Farben, die einerseits eine abstrakte Rolle im Farbkreis und anderseits eine konkrete Rolle bei bestimmten Assoziationen spielen (1977).
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